Mitten im Blumenbeet
(14.03.2026)
| Meine alte Nachbarin und Freundin (Mama von
Vanessa), musste ja notgedrungen aus ihrem alten Haus raus. Sie waren
zwar schon vor ein paar Monaten raus, aber irgendwas lief schief und es
ging wieder zurück. Sie selber und auch Vanessa, haben ja schon mit
ihren Autos so einiges weggeschafft, aber eben nicht alles. Ihr Mann ist
wieder irgendwo auf Montage und kann nicht helfen. Da nur ich einen
großen Transporter fahren kann, bin ja auch Busfahrerin, half ich gern. Für Vanessas erste eigene Wohnung hatten wir auch noch was und brachten es kurz rum. Dann packten wir ihre Möbel zusammen und fuhren alles zum neuen Haus. Nicht gerade um die Ecke, aber mit Öffis, Auto oder Fahrrad geht das schon. Da es sehr viele Sachen waren, fuhren wir zweimal rüber und setzten uns dann noch kurz im Regen auf die Terrasse. Nach einem Kaffee und ein Stück Kuchen wollte sie dann wieder los. Sie hielt es auch so schon nicht mehr aus in dem Haus, also verstand ich es gut. Ich blieb aber noch und guckte mich im Garten um. Sie hatte neue Bäume gepflanzt, Gemüsebeete angelegt und auch viele Kräuter in einem langgezogenem Beet. Fand ich schon komisch und schüttelte den Kopf. Dann sah ich zu meinem alten Haus rüber, welches ja jetzt endlich verkauft wurde. Ich träumte vor mir her und dann erschrak ich kurz. Zwischen zwei Bäumen, wo mal das Gästehaus war, lief Jule auf und ab. "Jule!" rief ich und erschrak mich erneut. "Das kann ja gar nicht sein, die lebt doch gar nicht mehr!" sagte ich und stolperte über meine eigenen Füße. Ich legte mich lang und blieb so liegen. Als ich den Kopf hob, sah ich sie wieder. Sie winkte mir zu. Am Donnerstag und auch gestern noch, hatten wir Musik gemacht im Probenhaus bei uns. Laura (17) wollte unbedingt ein paar Werder-Lieder neu aufnehmen und rockiger gestallten. Natürlich alles auf Plattdeutsch. Auch meine Claudia (31) wollte einiges Covern und in Heavy Metall packen. Da ich immer wieder an Jule denken muss, schrieb ich das Lied von Glashaus (Haltet die Welt an) sehr leicht um und übersetzte es auf Plattdeutsch. Dieses und auch ein paar andere Lieder spielte ich und schrie dann ganz laut, dass Jule mir fehlt. Claudia: "Dann geh doch zu ihr!" und schmiss ihre Bass-Gitarre hin. Laura guckte mich traurig an und sagte mir, dass sie ihr genauso fehlt, wie auch Lou. Das Lied flog mir da im Blumenbeet immer durch den Kopf und sang es leise vor mir hin. Dann saß ich da im Regen und ließ mich nassregnen. Meine schwarze Steppjacke glänzte, wie auch meine Lederhose und die Stiefel. Alles war dreckig und nass. Kurz dachte ich, dass ich wieder krank werden könnte. Aber dann sah ich Jule wieder und weinte vor mir hin. Sie fehlt mir absolut. Sie war so ein guter Mensch, zwar voller Drogen, aber ich hab sie geliebt. Ich bat sie zu mir zu kommen und betete kräftig für sie. Meine Haare tropften und ich hörte irgendwo Gewitter. Das hörte ich aber vor ein paar Tagen auch schon und sah nichts. Dann erschreckte mich Laura. "Was machst du da Mama, lebst du noch?" fragte sie mich und ich guckte sie sehr blass an. "Oh Scheiße, komm her Mama, nein!" rief sie und hob mich halb hoch. Dann kam auch Vanessa und fragte was los ist. "Weiß ich nicht, Mama sieht so blass und komisch aus!" Dann soll ich gesagt haben: "Wollen wir wieder in Kuhmist? Wisst ihr noch wie ich da drin lag und mich vorm Bauern versteckte?" Vanessa soll dann gesagt haben: "Ach du Kacke, die ist besessen!" Sie zogen mich dann da weg und schleppten mich ins Haus. Da gossen sie heißes Wasser über mich und ich klatschte beiden eine. "Spinnt ihr?" fragte ich und stand auf. Laura heulte und sagte irgendwas von, dass ich besessen war und sie Angst hat. "Quatsch, von was denn?" Vanessa: "Von Jule, glaub ich!" Da holte ich tief Luft und erzählte den beiden alles. "Mach das bloß nie wieder Mama!" sagte sie und Vanessa dann: "Wir brauchen ja jetzt nie wieder hier hin!" Ich: "Hoffe dass Jule das auch verstanden hat und jetzt endlich geht!" Da ich noch den Transporter zurück bringen musste, bat ich Laura mitzukommen. Hatte auch ein wenig Angst dass mir was unterwegs passiert oder so. Im neuen Heim sehe ich Jule ja zum Glück nicht. Bin aber öfters an ihrem Grab, welches ja von mir angelegt und bezahlt wurde. |