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Treffen mit Nastya

(??.11.2025)
Vor drei Jahren hatten wir ja eine ukrainische Familie kennengelernt, die dann wieder in ihre Heimat zurückgekehrt ist, als es im Großraum Kiew vermeintlich etwas ruhiger wurde. Bis heute schreibe ich mit Nastya (inzwischen 17), die allein nach Deutschland zurückgekommen ist und mit ihrer kleinen Tochter (0,5) in NRW in einer Jugendeinrichtung für unbegleitete Minderjährige lebt. Das Kind ist in NRW zur Welt gekommen. 

Da ich aus dem Chaos daheim einfach mal raus musste, habe ich mich in den ICE gesetzt und bin nach Köln gefahren um mich mit Nastya mal zu treffen. Abends kam ich in meinem Hotel an und bin erstmal wie ich war in Jeans, Sneakern, Bluse, Jacke unter die Dusche, denn die Bahnfahrt war chaotisch und anstrengend. Gut eine halbe Stunde ließ ich mich berieseln, dann legte ich mich in meiner nassen Unterwäsche ins Bett.

Früh dann traf ich Nastya. Sie ist in den dreieinhalb Jahren seit ich sie zuletzt gesehen hatte nicht nur (fast) erwachsen geworden, sie ist von ihrem schweren Schicksal deutlich gezeichnet. Wir gingen in ein Café und sie erzählte mir, die Kleine im Kinderwagen schlummernd, was alles schreckliches passiert war in den letzten dreieinhalb Jahren. Am Ende saß ich einfach nur weinend da. Dann sprach sie noch über die Einrichtung in der sie wohnen muss, dort hat sie es allein mit Kind unter einem Haufen halbwüchsiger, frauenverachtender Talahon-Typen auch alles andere als leicht. Nächstes Jahr wird sie 18, dann kann sie da raus. Unterstützung von Behörden erhält sie kaum und umziehen in eine andere Stadt oder so darf sie auch nicht, wenn ich sie richtig verstanden habe.

Dann wurde die Kleine wach und ich sah sie zum ersten mal. Nein ist die süß. Da ich mir ja auch ein Baby wünsche, aber keine bekommen kann, war ich gleich wieder traurig. Nastya, trotz ihrer Situation, spendete mir noch Trost. Wir gingen dann mitsamt Kind und Kinderwagen noch ein wenig durch die Stadt und durch einen Park, dann noch was essen, ich lud Nastya ein. Anschließend gingen wir auf mein Hotelzimmer, wo Nastya die Kleine wickelte und stillte. Ganz unbefangen, saß sie da vor mir, die Kleine an der Brust. Mir liefen die Tränen, ich konnte nicht anders. 

Nastya kuschelte sich dann noch eine Weile in meine Arme und dann musste sie auch schon zurück in ihre Einrichtung. Ich brachte sie hin und lief dann allein im Dunkeln durch die Stadt zurück zum Hotel. Unterwegs blieb ich am Rheinufer stehen und ließ alle meine Trauer und Frustration raus und meinen Tränen freien Lauf. Einen Moment dachte ich, einfach mal in den Rhein zu gehen, so wie ich gerade angezogen war. Aber ich machte es nicht. Dann quatschten mich noch ein paar Typen dumm an und ich hatte echt Schiss, dass die über mich herfallen würden. Schnell bin ich weiter und ins Hotel und wieder unter die Dusche. Großstadt ist nichts für mich. 

Am nächsten Tag in der Früh bin ich heimgefahren.

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