Spontan an die Ostsee

(18.-24.07.2026)

Ferienzeit ist ein Beziehungsstresstest, vor allem weil ja Hannah (14) ihre Freundin Luna (15) zu Gast hat während sich ihre reichen Eltern einen vierwöchigen Luxusurlaub ohne nervige Kinderbegleitung gönnen und Luna praktisch bei uns wohnt und Hannah nur zu Blödsinn anstiftet. Und natürlich selber nur Blödsinn macht.

Als ich Freitagabend Luna und meinen Mann (nicht zum ersten mal) viel zu eng miteinander im Pool antreffen musste, kratzte ich mein letztes Geld zusammen und buchte spontan noch einen heruntergekommenen, aber nicht gerade billigen Bungalow in Küstennähe in Vorpommern, dem östlichen Teil von Mecklenburg-Vorpommern. Soll sich doch mein Mann das letzte bisschen Hirn rausv***, ich musste mal raus. Direkt an der Ostsee ist um die Jahreszeit ja nichts bezahlbares mehr zu kriegen, und so ging es ans Stettiner Haff, in der Nähe von Ueckermünde, ganz nah an der polnischen Grenze. 

Die Anreise, noch in der Nacht fuhren wir los, lief bis kurz vor Berlin problemlos. Hannah begleitete mich spontan. Mit einer dicken Reisetasche auf dem Schoß saß sie plötzlich auf dem Beifahrersitz des Autos, als ich loswollte. Denn auch sie hatte üblen Streit mit Luna, allerdings wegen einem anderen Typen. Ich grinste sie an, nahm ihr die Tasche ab, warf sie in den Kofferraum neben meine und wir fuhren los. Hannah grinste von einem Ohr zum anderen bei soviel Spontanität, sie hatte fest damit gerechnet, dass ich sie aus dem Auto werfen würde. 

Die Fahrt war entspannt, ich hörte Musik, Hannah hörte mit Kopfhörern andere Musik, rauchte und qualmte damit das ganze Auto voll, hatte die nackten Füße auf dem Armaturenbrett und wir fuhren auf der A 38 der Morgensonne entgegen. Die A9 Richtung Berlin war dann gut verstopft, irgendwann ging gar nichts mehr. Hannah (in schwarzem T-Shirt und grauer Jogginghose) musste irgendwann mal und grinste als ich meinte "Mach doch" bald waren Hose und Sitz nass und sie lachte wie irre. Schließlich rauchten wir beide noch eine, machten eine laute Rockparty im Auto und irgendwann konnten wir auch weiter fahren. 

Nach über 500 km von Westthüringen bis Vorpommern (der Osten ist größer als man denkt...) erreichten wir das Ferienhaus, ein alter abgelegener Holzbau, weitgehend allein gelegen. Ich lud das Auto aus (unsere zwei Reisetaschen und ein paar Vorräte die wir in Ueckermünde schnell noch eingekauft hatten) und Hannah erkundete die nähere Umgebung. Als ich das Doppelbett bezogen hatte ging ich auch raus uns schaute wo Hannah ist; die lag wie sie war in Jogginghose und T-Shirt hinter dem Haus in einer alten Blechbadewanne, die dort wohl stand als Deko und Regentonnenersatz. Sie rauchte und grinste als sie mich sah. Winkelte die Beine an um mir Platz zu machen. "Lass uns doch lieber zur See gehen" meinte ich, stieg dann aber trotzdem in kurzer Jeans, Unterwäsche und weißem Top zu ihr. Hannah guckte mich ganz besonders an, als ich dann so im durchsichtigen Top vor ihr saß. 

Wir rauchten noch eine und stiegen dann aus der Wanne, gingen nass wie wir waren unter die Dusche, wuschen uns und zogen uns aus. Nur im trockenen Slip aßen wir eine Kleinigkeit, dann zogen wir uns an um einen Spaziergang zu machen und die Umgebung zu erkunden. Ich in Jogginhose und T-Shirt, Hannah in Jeans, Turnschuhen und T-Shirt liefen eine Weile, nicht lange und wir kamen ans Wasser. Ob Binnensee oder schon das Haff, das ja zur Ostsee gehört, konnte ich gar nicht so genau erkennen. Ein kleiner Pfad führte ans Ufer und wo er aufhörte lief Hannah einfach weiter, watete ins Wasser. Als sie bis zum Schritt drin stand und ihre Jeans immer dunkelblauer wurde drehte sie sich um und rief "Komm rein, voll warm" und ich folgte ihr. Gemeinsam schwammen wir, bis es fast dunkel war. Und nirgends waren Menschen - genau das was wir im Moment brauchten.

Im Halbdunkeln, nass und dann auch frierend liefen wir zurück zum Ferienhaus. Da uns kalt war, zogen wir die nassen Hosen aus und legten uns, in nassen Shirts und Unterwäsche ins Bett, kuschelten uns aneinander um uns zu wärmen. 

Der Sonntag war noch sonnig und mild und wir lagen eigentlich den ganzen Tag an der gestern entdeckten kleinen Badestelle. Mal ganz ohne Klamotten, weil hier war ja eh weit und breit kein Mensch. So waren wir auch ein paar mal schwimmen - auch mal eine schöne Erfahrung. Abends wollte Hannah dann natürlich das WM-Finale schauen und hockte sich vor den kleinen alten Fernseher, bei dem ich ihr erstmal erklären musste, warum das so ein großer Kasten war anstelle eines flachen Bildschirms. Aber egal, immerhin hatten wir TV-Empfang über eine alte Satellitenschüssel. Nur mit ihrem Eintracht-Trikot bekleidet lümmelte sie auf dem alten Sofa und ich fing an dies alles hier aufzuschreiben.

Die nächsten Tage war das Wetter durchwachsen. Also machten wir Ausflüge: Montag nach Stettin (wo es trocken blieb, übrigens eine moderne und verglichen mit Deutschland sehr saubere Stadt) und Dienstag nach Anklam und weiter über die völlig überfüllte Insel Usedom nach Swinemünde. Auf dem Rückweg von Swinemünde hielten wir dann auch mal direkt am Ostseestrand. Trotz Kälte und Nieselregen liefen wir bis es dunkel wurde an dem kilometerlangen Sandstrand entlang, irgendwann klitschnass vom Regen, dafür an einem Strand an dem nur ein paar Spaziergänger in Regenjacken uns entgegen kamen. Nichts ist schlimmer als ein überfüllter Strand. Kurz bevor wir wieder am Auto waren, rannten wir wie wir waren, in Turnschuhen, Jeanshosen, Pullovern, Jacken in die Ostsee und schwammen und spritzten in den Wellen umher. Die wenigen Spaziergänger die uns sahen schüttelten verständnislos ihre Köpfe. Aber schon zuvor hatten wir ein entspanntes Elternpaar getroffen, die ihre beiden Kids, vielleicht 6 und 8, Junge und Mädchen, mit Klamotten ins Wasser gelassen hatten - die Eltern saßen entspannt im feuchten Sand, die Kids buddelten erst, gingen dann immer mal mit Füßen und Hosenbeinen ins Wasser und irgendwann durften sie, weil schon halb nass, kurz ganz rein. Fand ich toll. 

Jedenfalls sind Hannah und ich dann so völlig durchnässt zurück zum Auto und fuhren die gar nicht mal so kurze Strecke zurück zu unserem Ferienquartier. Zehn Kilometer kommen einem auf den einsamen, schnurgeraden Straßen da im Nordosten schon mal wie eine Ewigkeit vor. An einem Nettomarkt kaufte ich, noch halb durchnässt, das nötigste ein, dann kehrten wir zum Ferienhaus zurück. "Shietwetter heute" meinte die Frau an der Kasse, als sie meine feuchten Klamotten sah. Zurück im Quartier duschten wir erstmal, weil wir völlig durchgefroren waren und zogen unter der Dusche die nassen Klamotten aus; Hannah hatte schon die halbe Rückfahrt gemeckert, weil sie "Sand im Schlüpper" hatte, wie sie sagte. Nur in Handtüchern rauchten wir dann eine und tranken was und genossen den Mutter-Tochter- (oder beste Freundinnen?) -Abend Irgendwann pennte Hannah dann auf der Couch, halb auf mir, ein und ich hatte eine schlaflose Nacht, die ich damit verbrachte, ihr beim Schlafen zuzusehen und mir wehmütig viele Erinnerungen an Hannah, als sie jünger war, und an Hannahs Mama durch den Kopf gehen zu lassen.

Am nächsten Morgen lagen Hannahs Handtuch vor der Couch auf dem Boden und meines diente als Zudecke; Hannah hing immer noch halb auf mir, als sie mich mit einem fetten Guten-Morgen-Kuss aufweckte. So völlig ohne was an machte ich uns Kaffee und Frühstück und wir frühstückten auch so und machten uns dann im Bad frisch und für den Tag zurecht. Weil das Wetter immer noch durchwachsen war, fuhren wir etliche Kilometer nach Greifswald. Auf dem Heimweg hielten wir in der Kleinstadt Wolgast, sahen uns die Peenebrücke nach Usedom und den Hafen an - nichts besonderes, kann man sich mal anschauen, man verpasst aber auch nichts wenn nicht. Lecker war dort der Grieche und als wir nach dem Essen am Hafenbecken entlangliefen standen am Rand ein paar aufgeregte Kinder, fuchtelten und schrien durcheinander. Wir sahen nach und da war ein kleiner Hund im Wasser. Der war offenbar reingesprungen und kam aufgrund der steilen Wände nicht mehr allein aus dem Wasser raus. Hannah, in Jeans, T-Shirt, Turnschuhen, Unterwäsche und Hoodie, zögerte nicht. Sie drückte mir ihr Handy und ihre Handtasche in die Hand und sprang wie sie war kopfüber ins kalte, brackige Wasser. Als sie auftauchte, nahm sie den Hund und kletterte an einer Leiter wieder aus dem Wasser. Tropfnass stand sie da und die Kinder bedankten sich und rannten, den Hund auf dem Arm, weg. Einmal mehr durchnässt fuhren wir dann zurück zum Quartier, wo sich Hannah, ohnehin nass, nochmal in die alte Regenwasser-Sammel-Wanne legte.

Donnerstag war das Wetter besser. immer noch frisch, so um die 20 Grad, aber kein Wind und kein Regen mehr. Also suchten wir uns eine schöne Stelle am Haff zum Baden und verbrachten den Tag am "Strand" je nachdem ob Wolken oder Sonne lagen wir nur in Bikinihose oder mit Bikinihose und T-Shirt und gingen auch hin und wieder so schwimmen. Viele Menschen waren nicht um uns rum und denen war auch egal ob und was wir anhatten.

Den (letzten) Abend wollte Hannah nochmal nutzen und mit "richtigen" Klamotten baden. In ihren noch feuchten Turnschuhen, Jeans, Unterwäsche, T-Shirt und Hoodie ging sie an der Badestelle, die wir am ersten Abend entdeckt hatten, noch einmal ins Wasser (schön langsam und jeden Zentimeter nass werdender Kleidung genießend) und schwamm ausgiebig. Erstaunlich, wie viel Kraft und Ausdauer sie hatte mit den langen, schweren Sachen im Wasser. Das beste Training eigentlich. Ich tat es ihr gleich, aber in meinen Sportsachen, in denen ich zuvor Joggen war. Den späteren Abend telefonierte sie stundenlang mit Luna, die beiden versöhnten sich wieder, so dass Hannah am nächsten Morgen kaum erwarten konnte, wieder nach Hause zu fahren.

Freitag, pünktlich zum Beginn der Hitzewelle, fuhren wir dann heim. Hannah trank viel zu viel Wasser vor und während der Fahrt, wohl nur um sich (in Jeans) und ihren Autositz ordentlich nasszumachen. Zuhause wartete Luna in unserem Pool auf uns, mein Mann war nirgends zu sehen. Statt mir beim Ausladen des Autos zu helfen, stürzte sich Hannah gleich wie sie war in nasser Jeans, Sneakern, T-Shirt, zu Luna in den Pool.

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