Auf dem nassen Bolzplatz mit Hannah (22.12.2020)
Heute kam ich ziemlich durchnässt aber gut gelaunt von der Arbeit heim, weil es heftig regnete. Es war mild und der Regen störte mich nicht, auch wenn meine schwarze Steppjacke und meine Jeans schon ordentlich nass geworden waren. Ich wollte nur kurz heim und mal auf Klo und dann nochmal raus bei diesem geilen Wetter.

Als ich auf meine Etage kam, saß Hannah (8), die Tochter meiner Nachbarin Sandra (26) auf der Treppe und heulte. Sie hatte ihren Schlüssel vergessen, als sie rausgehen und draußen im Regen rumstromern wollte. Vor Schreck war sie noch gar nicht draußen gewesen und saß nun seit einer Stunde auf der Treppe und heulte. Ihre Mum würde erst gegen Abend zurück sein und sie müsse mal auf Klo und wollte so gerne noch rausgehen.

Ich reagierte erstmal kühl, weil Hannah mich neulich ziemlich geärgert hatte und sagte ihr dass das alles nicht mein Problem sei. Sie klammerte sich aber an meine Beine und entschuldigte sich Wort- und Tränenreich. Ich konnte nicht anders und sagte, ich stelle nur meine große Handtasche von der Arbeit kurz in die Wohnung und dann gehen wir zusammen raus. Hannah hatte ihren roten zweiteiligen Schneeanzug an, viel zu warm heute bei 13 Grad, aber nicht mein Problem. Ich hatte noch eine Idee und holte im Keller einen Fußball und wir gingen im Regen zum nahem Bolzplatz. Bis wir dort waren, waren wir schon gut durch von der Nässe; der Platz stand ziemlich im Wasser, nicht tief aber zwei riesige schlammige Pfützen bedeckten den Platz. Ich meinte noch, wir lassen das, aber Hannah rannte schon in den Pfützen rum und wir spielten uns den Ball zu so gut es ging. Sie warf sich nach jedem Ball und lag bald mehr im Wasser als dass sie sich bewegte. Im Tor sitzend und liegend hielt sie jeden Ball, den ich ihr zuschoss.

Als ich langsam heimgehen wollte, fragte ich Hannah, ob sie nicht noch auf Klo müsse, weil sie es doch vorhin gesagt hatte, meinte sie nur grinsend, nun nicht mehr. Da ich auch vergessen hatte, nochmal zu gehen, hielt ich es fast nicht mehr aus und zappelte nur noch rum. Während Hannah in der einen Pfütze rumrollte, setzte ich mich kurzerhand in die andere und... öhm. Tat echt gut. Als ich so saß, stürmte Hannah auf mich zu und umarmte mich und schmiss mich um, so dass ich auf dem Rücken in der Pfütze lag. Wir rollten zu zweit rum und Hannah begann, meine Jacke mit dickem Schlamm einzureiben. Und auch ich schmierte sie ein. Dann wuschen wir uns notdürftig ab und gingen aus der Pfütze raus.

Am Spielfeldrand hatte ich meine kleine Handtasche stehen, nahm eine Zigarette raus und rauchte eine. Hannah bettelte und ich schaute ob niemand in der Nähe war und gab ihr auch eine. Wir setzten uns, nass und frierend, auf eine Bank und unterhielten uns während wir rauchten, fast wie zwei Große. Über Hannah und ihre Mum, mich und ihre Mum und das Hannah es ihr echt nicht leicht macht weil sie fast immer nur an sich denkt und der Mittelpunkt sein will. Hannah meinte nur, dass sie ihre Mama halt immer nur für sich hatte und sie ja sonst niemand hat, seit ihre Oma im Krankenhaus liegt. Irgendwie verstand ich sie auch ein bisschen. Weil es kalt und dunkel wurde, gingen wir langsam heim, wo ich uns beide warm abduschte und wir uns die nassen, dreckigen Klamotten auszogen. Hannah fragte nicht nach einem Bad, weil ich ihr Kakao versprochen hatte. Ich schaffte es, dass Hannah sich alleine abtrocknete, anzog, kämmte und föhnte. Sie versprach mir, das nun immer alleine zu machen, um ihre Mum zu entlasten.

Dieser schrieb ich, dass Hannah bei mir sei weil sie ihren Schlüssel vergessen hatte. Sie antwortete nicht, kam aber wenig später, klingelte. Als ich die Tür öffnete, sprach sie kein Wort. Hannah huschte an mir vorbei, murmelte "tschüss" und Sandra drehte sich um und ging wortlos. Ich rief noch, dass ich die Sachen dann rüber bringen würde, aber da fiel schon die Tür ins Schloss. Ich werde sie wohl in einer Tüte vor die Tür stellen. Eine Stunde später erhielt ich eine Nachricht von Sandra: "Danke"

  

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